tobianer Wir selbst sind anders als woher wir kommen?

9Nov/0910

Urlaubs-Quiz

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Was haben Zipolite und Muenchen gemeinsam?

7Nov/090

“Real de 14″ – oder wie man in der Luft einen Fisch faengt

Der Heilige Berg der Huicholes "El Quemado"

Ausblick vom heiligen Berg der Huicholes "El Quemado"

Es ist nicht gerade leicht dort hoch zukommen, aber auch nicht besonders schwierig.
Alles begann auf einem Kunstmarkt "mercado de artesanía" in Mexico City. Dort waren wir, ein Spanier, ein Ungar
und ich, einem Huichol-Haendler in seinem Geschaeft begegnet. Er hatte dort ein paar ganz besonders
schoene Exemplare von Huichol-Kunst ausgestellt. Viele bunte Farben, Tiermuster, Gesichter, geometrische Figuren - die  Huichol-Kunst ist in ganz Mexiko und vielleicht auch darueber hinaus vor allem wegen der auffallenden vielen bunten Farben bekannt. Ein Besuch auf einem kunstmarkt ist in Mexiko immert etwas wunderschoenes, etwas einzigartiges, aber ploetzlich war alles noch einmal ganz anders.
Rein aeusserlich war an dem Verkaeufer fuer hiesige Verhaeltnisse nichts
besonderes, er trug seine traditionelle Huichol-Kleidung, eine weisse Hose und ein weisses Hemd mit sehr weitem
Kragen und bunten Stickereien und einen bunten Guertel, der wie ein Tuch um seinen Bauch gewickelt war.
ich fand er sah ein bisschen aus wie Helge Schneider, denn er hatte den gleichen Schnauzer und laengere
gewaellte Haare. Er vermied es einem in die Augen zu schauen und kruemmte sich und verbog sich staendig
ein paar Worte stammelte. Irgendwie schien er ein voellig harmloser, ganz gewoehnlicher Verkaeufer zu sein
und doch war da etwas in diesem Laden was uns faszinierte und das waren nicht nur die Armbaender, Figuren und
Tableauts die  hier zum verkauf dargeboten wurden. Vielleicht war es das scheinbar schuechterne, verlorene in seinem Blick,
wenn sich die Blicke einmal kreuzten. Vielleicht war es dieses ganz besondere Funkeln in seinen Augen, so dass man eigentlich
froh war wenn er einen nicht langher ansah.
Mexiko ist voll von alten Legenden und Geschichten ueber Schamenen und Zauberer. Es heisst man wuerde sie am funkeln in Ihren Augen erkennen. Oder auch nicht, denn sie sind, wie heisst gleichzeitig auch die besten Tarner und Taescher der Welt. Es koennte also durchaus sein,
dass man sich hier in Mexiko von einem der vielen "Boleros" (Schuhputzer) mitten auf der Strasse fuer 15 Pesos die Schuhe putzen laesst ohne zu merken dass es einer der groessten Zauberer aller Zeiten ist. Man ist also immer gut beraten reichlich Trinkgeld zu geben, sonst koennte es sein, dass einem aus allen Zehen nur kurze Zeit spaeter blaue Agavenblueten wachsen, was noch eine der angenehmeren Unannehmlichkeiten waere die einem passieren koennen.
Wir waren also in diesem Laden und uns ging es wie wir spaeter feststellten allen dreien genau gleich, wir waren irgendwie verzaubert, fasziniert und verunsichert zugleich. Nicht dass wir etwas befuerchtet haetten, aber je laenger wir dort in diesem nicht mehr als 14 qm grossen Raum waren, umso tiefer tauchten wir in etwas ein, was man als Traum oder als "surreale" oder auch nicht alltaegliche Wirklichkeit bezeichnen koennte. Wir versuchten einmal zu gehen, und kehrten wieder um, schauten wieder die in geometyrischen Mustern mit winzig kleinen bunten Plastikperlen uebersaehten  Tierfiguren, Bilder und Masken an. Das ganze ging drei Mal so. Irgendetwas war da, dass wir nicht mehr gehen wollten, oder nach 50 Schritten weg von dem Laden wieder kehr machten.
Erst wenn man alle Kritik, alle Aengste und Vorurteile fallen laesst kann man in einer Begegnung wie dieser einen Sinn erkennen. Fuer uns drei war es, so besprachen wir im Nachhinein, eine sehr ausergewoehnliche Begegnungen. Wir waren uns einig, dass wir uns alle drei wie in einem Traum fuehlten. Und doch hatte es fuer jeden von uns einen ganz individuellen noch tieferen Sinn. Ich hatte den Verkaufer nach dem heiligen Berg der Huichol-Indianer in der Naehe des Dorfes Real de 14 gefragt und was ich dort als Ausdruck des Respekts, der Liebe und der Dankbarkeit dort mithin nehmen koennte. Er hat nur genickt und mir sofort von einem Stapel kleiner Holztaefelchen, eines davon, ca. 10 x 10 cm gross gezeigt. Ich beschloss dorthin zu fahren, acht Stunden von DF enfernt, und so kaufte ich die kleine bunte Holztafel.
Der Spanier, der mit dem Huichol am meisten geredet hatte, war zutiefst beruert von dessen Wesen, von aussen sah es aus, als waere er einem alten Freund begegnet. Er meinte nachher er haette so etwas verruecktes noch nie getan, dass er einen Fremden gefragt haette woran das liege, dass er hier etwas fuehle was anders waere als da draussen, dass er es ihm verzeihen moege aber woran das liegen koenne dass hier alles so anders waere. Und ja, er hat geantwortet der Huichol, aber das kann man hier nicht in Worten wiedergeben, aber man kann es vielleicht fuehlen, wenn man einmal kurz ganz still ist und innerlich die Augen schliesst.
Der Ungar hatte Traenen in seinen Augen als wir dann doch endlich um die Ecke gebogen waren und am Einganng zum "mercado de artesania" kurz halt machten. Wir drei sahen uns an und der ungar meinte in seinem sehr beschraenkten Spanischwortschatz nur "el infinito",
was auf Deutsch Unendlichkeit heisst.
25Okt/090

Im Verborgenen

Irgendwo in Mexico City

Irgendwo in Mexico City

Die Frage nach dem "wer bin ich" laesst sich nicht so leicht beantworten, wenn man ueberhaupt einmal die Zeit hat sich so eine Frage zu stellen. Beim Reisen kommt die Frage immer wieder mal auf, vor allem wenn man vielen Menschen und einer Kultur begegnet, die so reich an Schaetzen ist, dass man viel, sehr viel von ihr lernen kann. Irgendwie sind wir alle anders und doch alle gleich. "yo lotl te, yom lotl ne" heisst "ich bin du und du bist ich" auf nahuatl, einer der am weitesten verbreiteten Sprachen des praehispanischen Lateinamerikas. In dieser Kultur, so ist Quetzalkoatl eine sehr bekannte und bedeutende Figur, denn er war ein Mensch der zu Gott wurde bzw. ein Gott der zu einem Menschen wurde.
Die Rueckkehr aus Sonora nach Mexico City war ein ziemlicher Kulturschock. Eine Nacht in meinem Lieblingshotel San Antonio. Ich habe sehr liebe Reisegefaehrten, ein paar Spanier, ein Ungar, ein Amerikaner... Abends gehen wir in das beruehmte Restaurant Tacuba. Das Essen dort ist einfach super und es gibt ein dreimonatiges Weinachtsbier, es heisst "Noche Buena" und erinnert ein wenig an das irische Kilkenny-Bier, fuer mexikanische Verhaeltnisse also sehr schmackhaft.
Mittlerweile sind wir in Tula angekommen, wo wir vor drei Jahren schon mal auf einer gemeinsamen Forschungsreise bzw. Wuesten- und Pyramiedentour waren. Ist schon sehr schoen wieder die Kraft dieses Ortes zu spueren. Die alten Tolteken wussten schon ganz genau wo sie ihre Tempel hinbauen.
Nicht umsonst hat die Kirche, wie ja zB. auch in Deutschland bei den alten Germanen, gerne deren Kraftorte fuer fuer den Bau einer Kirche einfach uebernommen. Nur schade wenn dabei die alten Kulturdenkmaeler dabei meist voellig zerstoert wurden. Immerhin wird in Mexico City mitten im Zentrum, am Zocalo, jetzt beim Templo Mayor der bereits vor einiger Zeit bei Strassenbauten neben der Kathedrale zufaellig entdeckt wurde, wieder archaeologisch ausgegraben. In Tula sind einige Pyramieden erhalten. Auf der hoechsten stehen die bekannten "Atlanten", sog. Krieger, die aber der Kleidung nach zu urteilen eindeutig Frauen also Kriegerinnen und keine Maenner sind.
In Tula und der dazugehoperigen Geschichte geht es viel um Transformation, um das bewusste Traeumen, um das sich selbst und seinen Schattenseiten begegnen, um das symbolische Sterben, um neu geboren zu werden. All diese Inhalte werden verkoerpert durch Quetzalcoatl ein Mensch der zu einem leuchtenden Wesen wie die Sonne wurde bzw. ein leuchtendes - man kann auch sagen goettliches Wesen wieder auf die Erde kam, um den Menschen, die Waechter des Planeten und keine "Beherrscher" des Planeten waren, zu helfen. Er geht in die Tiefe in die dunklen Abgruende seines selbst um sich so mit seine eigenen Schjattenseiten zu konfontieren, ganz ehrlich und aufrichtig, um sich dann zu transformieren - er wird dabei bis auf die Knochen von einer Schlange verschluckt - um so ganz frei zu einem Richtung Sternenhimmel erbluehenden Herz zu werden.
Eine sehr schoene und gewiss auch nuetzliche Geschichte, wenn man sich ein wenig darauf einlaesst. Mexiko ist voll von solchen lebendigen Geschichten, deswegen gefaellt es mir hier nicht nur wegen der leckeren Quesadillas, der Papayas zum Fruehstueck, der Limonen und der vielen bunten Farben so gut.