tobianer Wir selbst sind anders als woher wir kommen?

4Jan/071

Abschied

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Valle de Santiago
STUFEN

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
in ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein
und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen-
der Weltgeist will nicht fesseln und nicht engen,
er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen.
Und wer bereit zum Aufbruch ist und zur Reise,
mag gähnender Entwöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegensenden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.

Wohlan, denn, Herz
nimm Abschied und gesunde.

Hermann Hesse
Quelle:
"Das Lied des Lebens"
Die schönsten Gedichte von Hermann Hesse
Suhrkamp Verlag 1986

25Nov/060

Ich und die Welt – wie es scheint

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Mexico City ist eine Stadt in der eine ganze Welt platz hat. Es ist gefaehrlich mit dem falschen Taxi zu fahren. Aber es ist wundervoll sein Lieblingviertel zu entdecken und wie der Wind durch die Strassen zu wehen und das Leben all der anderen hier zu streicheln. An der Enaechsten Ecke verschmilzt der Hund mit dem Diamanten. Die Sonne glaenzt silbern ueber dem weissen Dunstschleier. Man ist dem Himmel nah auf 2500 Metern Hoehe...
Auf dem Torre Latino, einem der Hoecchsten Gebaeude der Stadt, betet und singt eines Abends eine Gruppe amerikanischer jugendlicher fuer die Menschen, dass sie in Frieden, Mitgefuehl, Liebe und Freiheit leben moegen. Ein junger Mann singt auf englisch eine Mischung aus Cat Stevens und Pearl Jam. Wer sie wohl sind? ist nicht wirklich von bedeutung, denn was sie tun ist fuer alle fuehlbar. Die anderen Gaeste dort oben und ich verfallen in eine magische Andacht. Hymnen an 24 Millioenen Herzen, fliegen durch die Nacht. Ploetzlich scheint nichts mehr von Bedeutung. Der Turm, die Stadt, die Leute und ich, eine Welt aus Lichtern in der Nacht sind zu funkelnden Sternen geworden. Wir steigen auf in den Himmel und werden im naechsten Augenblick als Sandkoerner wiedergeboren...

24Okt/060

4 Winde & das Meer in Sayulita

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22.10. 2006, Sayulita, Bundesstaat Nayalit, Pazifikkueste von Mexiko

Sie waren zu viert.

 

Der erste hatte in NAHUATL, der alten Sprache der AZTEKEN sowie der TOLTEKEN
zwei Namen:

TLANEZTLAMPA
(LUGAR DEL AMANECER = ORT DES MORGENGRAUENS)

und 

TLAUIZTLAMPA
(LUGAR DE LA AURORA = ORT DES HIMMELSLICHTES)

Er kam aus dem Osten.
Der Osten ist der Ort, des alles durchdringenden Lichtes.
Dort wo das ewige Feuer brennt, das Feuer der Erneuerung, der Baum der das Blatt loslaesst, damit neues wachsen darf.
Sie sahen ihn und riefen ihn "tauro magico", weil er Licht in ein wundervolles Kunstwerk verwandeln konnte.

 

MIKTLAMPA (Ort der ewigen Ruhe) 

Einer kam aus dem Norden.
Der Norden ist der Ort, an dem das Bewusstsein zu Hause ist,
dort wo die Erde atmet, licht aus Terracota, Blau und Gruen.
Sie sahen ihn und nannten ihn "oso revoltoso" weil er so frech und froh war.

 

UITZTLAMPA

(lUGAR DE UITZILOPOCHTLI = ORT DER GEBOREN WERDENDEN SONNE)

Einer kam aus dem Sueden.
Der Sueden ist der Ort des starken Willen.
Dort ist der Bauchnabel der Erde, hier fliesst Leben spendendes tuerkisblaues Wasser, in dem es goldgelb glitzert.
Sie sahen ihn, der aus dem Sueden kam und nannten ihn "gatito negro",
weil er jung und unberechenbar war.

 

ZIUATLAMPA
(Ort der Frauen) 

Einer kam aus dem Westen.
Der Westen ist der Ort der Weisheit.
Von dort sprudelt in unendlicher Grosszuegigkeit das Wissen,
von dem wir wenn wir durstig sind trinken duerfen.
Sie sahen ihn, der aus dem Westen kam und nannten ihn "aguila invisible",
weil er hier und gleichzeitig auch woanders war.

Danke fuer den Tag am Meer.